Wissenschaft

Nach der Satzung soll sich die Gesellschaft mit einem breiten Themenspektrum der Prävention in Familie, Kindheit und Jugend wissenschaftlich auseinandersetzen. Als Arbeitsschwerpunkt hat sich zwar die „Frühe Prävention und Gesundheits-förderung“ herauskristallisiert; und auch diese Fokussierung bedeutet immer noch ein sehr weites Themenspektrum, wie es beispielsweise in dem 2005 erschienenen Sonderheft der Kinderärztlichen Praxis seinen Niederschlag fand. Wir haben uns aber auch mit anderen Themen, wie der Epidemiologie (und Ätiologie) der Adipositas Erwachsener in Europa oder der gesundheitsbezogenen Lebensqualität von Eltern eines ersten Kindes auseinandergesetzt und unsere Ergebnisse auf Tagungen präsentiert und veröffentlicht.

Was die Adipositas betrifft, verfügen wir über einen großen praktischen und wissenschaftlichen Erfahrungsschatz. So haben wir mit Hilfe großer Fallzahlen Formeln entwickelt, mit denen man aus Selbstangaben den Body Mass Index errechnen kann, wie er sich aus gemessenen Werte für Größe und Gewicht ergeben würde. Für die Prävention relevant sind ungünstige pränatale Faktoren, die Makrosomie bei Geburt (Generationen übergreifender „Schneeballeffekt“) oder intrauterine Wachstumsrestriktion verursachen (vor allem Rauchen), desgleichen frühe postnatale Einflüsse, wie starke Gewichtszunahme in den ersten Lebenstagen oder frühe Flaschenernährung. Für die weitere Ausbreitung von Übergewicht und Adipositas spielen auch deren positive ökonomische Effekte, die trotz ungünstiger Lebensgewohnheiten ständig ansteigende Lebenserwartung und eine Konkurrenz von Lebensqualitäten eine Rolle (z.B. Konsum, einschließlich Fernsehen und Bequemlichkeit vs. Langlebigkeit als Lohn für Verzicht). Diese Komplexität erklärt die geringen Erfolge einer auf Ernährung und Bewegung reduzierten Intervention.

Ein neues Thema beschäftigt uns in diesem Zusammenhang jetzt mehr als bisher, die „epigenetische Prägung“ oder frühe „Programmierung“. Und hier speziell Ergebnisse einer doppelt – blinden Studie von Frau Prof. Renate Bergmann zu den langfristigen Wirkungen von ?-3- Fettsäuren, die während der Schwangerschaft und Stillzeit supplementiert wurden. Es sieht so aus als hätten diese Fettsäuren präventive Effekte für spätere Adipositas und als beschleunige sie die Entwicklung im Kleinkindesalter. Erste Ergebnisse wurden auf der Jahrestagung der Amerikanischen Wissenschaftlichen Pädiatrischen Gesellschaften in San Francisco (PAS – Meeting), aber auch in Prag, Dresden und in Kürze in Barcelona vorgestellt. Fesselnd daran ist, dass es zunehmend auch langfristig wirksame, „biologische“ Möglichkeiten der Prävention geben wird, für die Ernährung eine Schlüsselrolle spielt.

Die Daten der BMBF -Studie „Prävention und Gesundheitsförderung in der Familie“ werden uns noch lange beschäftigen. Glücklicherweise konnten wir 2004 noch Mittel für unseren Statistiker, Rolf Richter, beschaffen. Die Auswertungen von 2004 fanden ihren Nieder¬schlag in Vorträ¬gen, z.B. auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaften für Kinderheilkunde und für Sozialpädiatrie in Berlin. Unsere Ergebnisse zum Thema „Frühe Prävention der Adipositas“ und zur „Förderung der frühen Entwicklung“ gehören zu den interessanten Beobachtungen aus dieser kontrollierten Präventionsstudie. Die Vorträge dazu wurden lebhaft diskutiert. Die Zusammenfassungen können Sie in dem beigefügten Sonderheft der Kinderärztliche Praxis nachlesen.

Vielleicht interessiert Sie der Artikel zum Thema „Ethische und rechtliche Aspekte der epide¬mi¬ologischen Forschung mit Kindern und Jugendlichen in Deutschland am Beispiel des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys“, der 2004 in der Zeitschrift Ethik in der Medizin erschien. Für den allgemein Leser haben wir ein Büchlein „Gesunde Haut für mein Kind“ veröffentlicht, das auf der Buchmesse in Frankfurt am Main vorgestellt wurde und sich mit den Möglichkeiten, einer Neurodermitis vorzubeugen, befasst. Die Veröffentlichungen seit 2004 sind unter VII zu-sammengestellt.

Im Auftrag des AOK